…das hat zumindest mein Guide Nico auf der viertaegigen (Tor-)Tour Richtung Machu Picchu gesagt, wenn wir mal wieder um 4 Uhr aufstehen mussten, von scharenweise Moskitos gebissen wurden, die Beine vom staendigen auf- und ablaufen nicht mehr weiter wollten, es literweise vom Himmel regnete oder die Luft auf 4.600 Meter Hoehe duenn zum Atmen wurde. Kurz: Es hat verdammt viel Spass gemacht!

1. Tag: Zusammen mit 17 weiteren Fruehaufstehern (Pick-Up ist um 5 Uhr) aus Irland, England, Schottland, Australien, Irland, den USA, Argentinien, Norwegen und Frankreich sowie unseren Guides Nico und Hermo geht es per Bus zum Start des Salkantay Treks: Von Cusco nach Mollepata auf 2.900m Hoehe. Dort bekommen wir unser Fruehstueck und koennen einen Teil unseres Gepaecks auf Pferde umladen. Dort landet dann auch mein Schlafsack, so dass ich nur noch meinen ca. 7 Kilogramm schweren Rucksack schleppen muss. Am ersten Tag soll es von Mollepata rauf und runter nach Soraypampa auf 3.900 m gehen…das heisst 19km oder acht Stunden wandern. Nach zwei Stunden geben die beiden israelischen Maedels auf… kurz nachdem Nico gesagt hat, auf diesem Trek kehrt eigentlich keiner um!
Nachmittags erreichen wir unser erstes Camp und haben erste atemberaubende Ausblicke auf die schneebedeckten Gipfel der beiden Berge Umantay (5.458m) und Salkantay (6.264m). Mit Kadin aus Montana teile ich mir das etwas zu kurz geratene Zelt…Zwei-Meter-Mann David aus Australien muss sich quer legen, damit er reinpasst.
2. Tag: Der vermeintlich zweitschwerste Tag der Wanderung beginnt fuer uns frueh um fuenf Uhr. Zur Begruessung in den Tag gibt es gleich den ersten Koka-Tee als Wachmacher. Viel geschlafen habe ich in meiner ersten Nacht im Zelt nicht. Der Reissverschluss meines geliehenen Schlafsackes funktionierte naemlich nicht…kurz: Ich hab mir den Arsch abgefroren! Auf der zehnstuendigen Wanderung erreichen wir auch den hoechsten Punkt unserer Reise. Auf 4.650m Hoehe haben wir einen super Ausblick auf den Salkantay mit seinen massiven Gletschern. Angefuehrt von Nico geht es danach stetig bergab nach Chaullay auf 2.900m Hoehe rein in den Dschungel…und damit erste Kontakte mit der lokalen Moskitobevoelkerung. Hermo darf sich inzwischen um die argentinischen Nachzuegler kuemmern, die die Anstrengung nicht so gut wegstecken und den Weg nach oben teilweise auf einem Pferd bezwingen. Zitat am Abend vom sympathischen Argentinier: “The last two days were the best days of my life…and the fuckest!”
Nach einem harten Tag dann Luxus pur in Chaullay : kalte Dusche und warmes Bier!
3. Tag: Der dritte Tag begann wieder um 5 Uhr und fuehrte uns relativ gemuetliche 13km von Chaullay in den Dschungel entlang des Llluskamayu River nach Sahuayacu. Erst Ende Januar war die gesamte Umgebung von Cusco aufgrund der heftigsten Regenfaelle seit 15 Jahren zum Krisengebiet erklaert worden. Hunderte von Touristen mussten per Hubschrauber ausgeflogen werden und viele Einheimische wurden aufgrund der Ueberflutungen obdachlos oder kamen ums Leben. Machu Picchu wurde daraufhin fuer knapp zwei Monate geschlossen. Auf unserer Wanderung konnte man noch viele Zeichen der Naturkatastrophe entdecken, unter anderem die Auswirkungen riesiger Schlammlawinen. In Sahuayacu hatten wir dann den Nachmittag frei. Nach dem Mittagessen zu Klaengen bester 80′s-Music spielten wir Gringos Fussball mit den Dorfkindern. Ire Owen und ich haben dabei ein neues peruanisches Talent entdeckt, werden ihn mit nach Europa bringen und fuer viel Geld nach Barcelona verkaufen.
Nach dem Fussballspiel gab es fuer die Kinder zur Belohnung etwas zu viel Inka Cola… einer von ihnen verfehlte beim Katzenwurf seinen Freund und die Katze flog mit voller Wucht gegen die Huettenwand, autsch! Die Katze hat es aber mehr oder weniger unbeschadet ueberlebt.
4. Tag: Schwerster Tag des Treks nach einer extrem kurzen Nacht! Eigentlich sollte der Wecker “erst” um 4:30 Uhr klingeln, aber ab 3:30 Uhr wollte der Nachbarhund keine Ruhe mehr geben. Nach dem Fruehstueck ging es schnell steil bergauf Richtung Inka-Ruine Llactapata auf 2.800m, von der wir schon einen ersten entfernten Blick auf Machu Picchu und die wunderschoene Umgebung werfen konnten. Zum ersten Mal hatten wir Pech mit dem Wetter; waehrend des gesamten Aufstiegs goss es auf uns herunter! Allerdings kam dann puenktlich bei Gipfelankunft die Sonne heraus und die Wolken verzogen sich. Vom Gipfel ging es steil bergab auf Schlammpfaden nach Urubamba River. Nach dem Mittagessen direkt am Fluss in der Naehe des Wasserkraftwerks wanderten wir weiter entlang der Eisenbahngleise nach Aguas Calientes, dem Ausgangspunkt fuer einen Besuch Machu Picchus. Endlich ging es nicht mehr staendig bergauf und bergab, sondern ziemlich eben weiter. Inzwischen waren meine Beine und Fuesse total hinueber, aber ein Ende war ja in Sicht…und in Aguas Calientes konnten wir abends unsere strapazierten Muskeln im Thermalbad entspannen lassen. Was auch bitter noetig war nach ca. 75 km in vier Tagen Wanderung ueber mehrere Tausend Hoehenmeter!

5. Tag: Eines der absoluten Highlights meiner ganzen Reise erwartet mich am letzten Tag: Machu Picchu! Um 3:30 Uhr stehe ich auf und treffe die anderen um 4 Uhr im Ort wieder. Am Abend vorher wurde ich als Einziger in einem anderen Hostel untergebracht…angeblich keine Betten mehr frei. Da ich kein Wecker mitgebracht hatte, beauftragte ich Hostelmitarbeiter Elvis (ja, so hiess er wirklich), mich puenktlich zu wecken. Da ich ihm aber nicht vertraue, verbringe ich eine ziemlich schlaflose Nacht und checke staendig die Uhrzeit an der Rezeption. Noch schlaftrunken machen wir uns alle auf den Weg zu Fuss nach Machu Picchu, 400 Hoehenmeter ueber zu hoch geratene Inkatreppenstufen (Zitat Kadin: “Fucking Incas and their stairs!”). Zusammen mit Jordan und Matt aus Alaska und Owen komme ich als Erster oben an und koennen uns einen begehrten Platz fuer Huayna Picchu, dem Nachbarberg von Machu Picchu, sichern. Allerdings waere die Eile nicht notwendig gewesen; selbst Spanier Marcos und die beiden Argentinier, die eine Stunde spaeter mit dem Bus ankommen, bekommen noch eins der 400 Tickets, die zum Aufstieg berechtigen (Nebensaison halt). Allerdings kommt unsere Gruppe so auch als erste um sechs Uhr durch das Eingangstor und so haben wir einen atemberaubenden Ausblick vom perfekten Foto-Spot auf das noch touristenleere Machu Picchu und seine grandiose Lage. Allein fuer diesen Anblick haben sich die Strapazen der letzten viereinhalb Tage gelohnt! Guide Nico fuehrt uns daraufhin durch die Ruinen und erzaehlt Wissenswertes ueber Geschichte, Lage, Architektur und Vegetation von Machu Picchu sowie ueber die Kultur und das Leben der Inkas. Zusammen mit den beiden Iren Owen und Eoin mache ich mich danach auf den Weg nach Huayna Picchu. Auf dem Weg zum Checkpoint werden wir aber erst Zeuge von lautem Lama-Sex und nur 50 Meter weiter von einer Lama-Geburt. Der Aufstieg nach Huayna Picchu dauert nur 30 Minuten und von hier aus hat man super Sicht auf die umgebenden Huegel und hinein ins Tal. Danach steigen wir zu dritt noch hoch zum Intipunku, dem Sonnentor der Inkas, durch das man Machu Picchu auf dem traditionellen Inka-Trail betritt. Inzwischen stolpern Eoin und ich eigentlich nur noch, von kontrolliertem Gang ist keine Rede mehr. Aber auch hier ist der Ausblick atemberaubend und den Aufstieg wert! Runter von Machu Picchu fahren wir dann aber mit dem Bus; waere ich die 400 Hoehenmeter auch wieder herunter gelaufen, haette ich meine Knie gleich komplett austauschen koennen!
Nach naechtlicher Fahrt von Aguas Calientes per Zug und Bus nach Cusco und Ankunft um 1 Uhr nachts hiess es dann Abschied nehmen voneinander. Die letzten fuenf Tage waren eine der besten Erfahrungen, die ich ueberhaupt auf meiner Reise gemacht habe. Gracias y buen viaje a todos!
PS: Special credit for Machu Picchu pictures to my two Irish friends Eoin & Owen. Without you guys I wouldn’t have a single picture of this very special and amazing day. Thanks und thumbs up!!!